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Späte Ehrung für Häftling „ZehnNullNeunzig“
Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee überreichte am Samstag dem Kölner Ehepaar Rolf und Brigitte Kralovitz die Ehrenmedaille der Stadt Leipzig.
Rolf Kralovitz hat es sich zur Aufgabe gemacht, als einer der letzten Zeitzeugen gegen das Vergessen anzukämpfen. Das sei er seiner toten Mutter schuldig: „Ich weiß, dass sie in der Gaskammer, kurz bevor sie erstickt ist, noch einige Sekunden gelebt hat. Sie hat in diesem Moment wahrscheinlich gedacht, dass derjenige von uns, der das alles überleben wird, allen davon erzählen muss.“
Kralovitz und seine Ehefrau Brigitte erhielten nun für ihre jahrelange Bildungs- und Aufklärungsarbeit die Ehrenmedaille der Stadt Leipzig. Für den feierlichen Anlass nahmen die beiden fast 80-Jährigen die Strapazen auf sich und reisten in die sächsische Messestadt. Dort wurde Rolf Kralovitz 1925 geboren. Er erlebte als Jude die Schrecken des Nationalsozialismus. Als Kind musste er Zwangsarbeit leisten, als Totengräber auf einem Friedhof. Kralovitz verlor seine gesamte Familie. Sein Vater wurde in Auschwitz vergast, seine Mutter und seine Schwester wurden im KZ Ravensbrück ermordet. Am 11. Oktober 1943 wurde Rolf Kralovitz als Häftling mit der Lager-Nummer 10 0 90 in das KZ Buchenwald eingewiesen. Dort arbeitete er im „Gustloff-Werk“, einer Rüstungsfabrik der Nazis, mit. Er verrichtete Schwerstarbeit, schleppte Steine und Zement und bekam täglich nur 300 Gramm Brot und eine dünne Suppe zu essen. Er erkrankte mehrmals und wäre fast verhungert. Am 11. April 1945 wurde das KZ schließlich von den Amerikanern befreit. Kralovitz kehrte zunächst nach Leipzig zurück und wurde Schauspieler. 1949 wanderte er in die USA aus. Er heiratete in New York seine Frau Brigitte, eine Exiljüdin, die nur knapp der Deportation nach Auschwitz entkommen war.
1953 kehrte das Ehepaar Kralovitz wieder nach Deutschland zurück. Rolf Kralovitz wurde Fernseh-Produktionsleiter beim Westdeutschen Rundfunk in Köln. Auch heute noch lebt das Ehepaar in Lindenthal. Nachdem Rolf Kralovitz 1976 vollständig erblindete, widmete er sich nur noch seiner Lebensgeschichte. Er schrieb zusammen mit seiner Frau Bücher, produzierte Hörspiele und Dokumentationen und hielt Unterrichtsstunden an Schulen. Sein Buch „ZehnNullNeunzig in Buchenwald - Ein jüdischer Häftling erzählt“ wurde ein Bestseller.
(Oliver Soos)
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